Ein Abend mit Linda Tellington-Jones

Sonja Bottenberg • 13. September 2026

und was Ho'oponopono damit zu tun hat

Letzte Woche hatte unsere Fortbildungsgruppe einen besonderen Gast: Linda Tellington-Jones nahm sich Zeit, uns kennenzulernen. Ich nehme dich mit in diesen Abend und in vier hawaiianische Worte, die ich seitdem nicht mehr loslasse.


Linda Tellington-Jones in unser Zoom-Meeting.

Unsere Fortbildungsgruppe „Resilienz für Mensch und Pferd" eine einjährige Weiterbildung für achtsame tiergestützte Interventionen mit der Tellington-Methode, geleitet von Bibi Degn und Relana Beck, zwei der großen Vertreterinnen und Lehrerinnen der Tellington-Methode, dem Connected Riding und den Angie-Kursen im deutschsprachigen Raum, traf sich zu einem besonderen Termin: Linda selbst, die Begründerin der Tellington-Methode, wollte uns kennenlernen.


Ziel unserer Weiterbildung ist es, Menschen gemeinsam mit Pferden in Wachstum, Gesundheit und Lebensqualität zu begleiten, zu lernen, wie achtsame, pferdegestützte Interventionen Resilienz stärken und nachhaltige Entwicklungsprozesse anstoßen. Und nun saß die Frau vor uns, die diese Arbeit über Jahrzehnte geprägt hat.


20 Bücher. 15 Sprachen. Und keine Spur von Ego.

Ich wusste natürlich, wer da vor mir saß: 20 Bücher, übersetzt in 15 Sprachen. Drei Jahrzehnte Arbeit mit Tieren und Menschen, die die Welt der Pferdearbeit nachhaltig verändert hat. Doch Linda selbst schien das gar nicht zu beeindrucken. Ganz bescheiden sagte sie, sie habe die Bücher nicht wegen ihres Egos geschrieben, sondern weil die Verlage immer mehr wollten. Das hat mich beeindruckt wie viel Größe in so einer Bescheidenheit liegen kann.


Ein Impuls für jede und jeden

Es war ein wunderschöner Abend. Jede von uns durfte ein bisschen von der eigenen Arbeit erzählen, von den eigenen Tieren. Und Linda hatte für jede von uns einen Gedanken parat, einen kleinen Impuls - das was eben gerade gebraucht wird. Ihr Deutsch ist übrigens richtig gut.


Vier Worte, die alles verändern

Am Ende fragte Bibi sie, was sie uns mitgeben möchte für unsere Arbeit mit der Tellington-Methode, für das, was wir hinaustragen in die Welt. Und da sprach sie von Ho'oponopono, einem hawaiianischen Vergebungsritual. Es bedeutet so viel wie „etwas in Ordnung bringen" und trägt vier einfache Sätze in sich:


Es tut mir leid. Bitte verzeih mir. Danke. Ich liebe dich.


Linda sprach dabei auch von Zellintelligenz. Von der Vorstellung, dass unsere Zellen fühlen, erinnern und auf das reagieren, was wir aussenden. Wenn wir diese vier Sätze wirklich meinen, wachsen sie nicht nur in uns, sondern in jeder einzelnen Zelle weiter.

Und genau das macht ja auch die Tellington-Methode aus: Sie versteht sich als eine Form der Kommunikation auf Zellebene, bei der durch sanfte Berührungen die Zellintelligenz geweckt und aktiviert werden soll. Linda geht davon aus, dass jede einzelne Zelle im Körper eines Lebewesens eine eigene, eingebaute Intelligenz besitzt. Wenn ein Tier oder Mensch gestresst, verletzt oder verängstigt ist, „vergessen" die Zellen quasi ihre normale, gesunde Funktion. Die Methode soll sie durch gezielte Reize wieder an ihr volles Potenzial erinnern.


So schließt sich für mich der Kreis: Ob durch eine TTouch-Berührung oder durch die Worte des Ho'oponopono – beides spricht dieselbe Sprache. Die Sprache der Zelle.


Linda gibt uns mit auf den Weg, dass man mit dieser Haltung in die Welt hinaustreten soll: mit den Tieren, mit den Menschen, denen man begegnet. Dass diese Liebe sich so, Zelle für Zelle, weiterträgt, wenn man sie wirklich meint. Ganz gleich, wem man begegnet.


Warum das Resilienz ist

Genau darum ging es an diesem Abend im Kern, auch wenn Linda das Wort „Resilienz" gar nicht benutzte: Resilienz ist nicht die Fähigkeit, einfach durchzuhalten. Sie ist die Fähigkeit, nach einer Belastung wieder in einen Zustand von Regulation und Vertrauen zurückzufinden - also Pferd genauso wie als Mensch.


Genau da setzt Ho'oponopono an. Wenn ein Pferd verängstigt ist, hilft ihm keine Erklärung, sondern eine Berührung, die auf Zellebene sagt: Du bist sicher. Und wenn wir als Menschen mit „Es tut mir leid, bitte verzeih mir, danke, ich liebe dich" in uns hineinhorchen, passiert etwas sehr Ähnliches. Wir regulieren uns selbst. Wir nehmen den alten Stress aus dem System, statt ihn nur zu überdecken oder wegzudrücken.

Das ist für mich der eigentliche Schatz dieses Abends: Resilienz beginnt nicht immer (nur) im Kopf, sondern im Körper. In der Zelle, in der Berührung, in der Haltung, mit der wir jemandem begegnen. Bei einem Pferd, das lernen soll, wieder zu vertrauen. Bei einem Menschen, der nach einer schwierigen Zeit wieder zu sich selbst finden will. Und bei uns selbst, wenn wir üben, uns mit derselben Sanftheit zu begegnen, die wir für unsere Tiere ganz selbstverständlich aufbringen.


Genau das nehme ich für meine eigene Arbeit mit: Dass Resilienz kein Ziel ist, das man erreicht, sondern eine Fähigkeit, die wächst: Berührung für Berührung, Satz für Satz, Zelle für Zelle.


Was bleibt

Ich sitze heute noch mit diesem Satz da: Es tut mir leid. Bitte verzeih mir. Danke. Ich liebe dich. Vier kleine Sätze, die alles verändern können - im Umgang mit einem Pferd, das uns misstraut. Im Umgang mit einem Menschen, mit dem es gerade schwierig ist. Im Umgang mit uns selbst.


Ein Abend, der nachwirkt.

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