Eine Einladung, Moose zu lieben
Ein Resilienz-Impuls

Vor zwei Jahren bin ich beim Lesen der NZZ am Sonntag über einen Artikel von Esther Widmann gestolpert. Es ging um Moose. Ich weiß noch, wie ich dachte: Wer schreibt schon eine ganze Zeitungsseite über Moos? Die meisten Menschen wollen Moose doch einfach nur weghaben, aus der Rasenfuge kratzen, von der Dachrinne bürsten, von der Terrasse schrubben.
Aber genau das hat mich neugierig gemacht. Und je länger ich las, desto klarer wurde mir: Dieses stille, unscheinbare Wesen hat mir etwas zu sagen.
Wer sich unter Biodiversität nichts vorstellen kann, sollte ganz nah heran ans Moos
Moose sind unauffällig. Sie schreien nicht nach Aufmerksamkeit, sie blühen nicht auffällig, sie duften nicht wie eine Rose. Aber wer genau hinschaut, entdeckt einen ganzen Kosmos: Moose wirken gegen den Klimawandel, weil sie Wasser und Kohlenstoff speichern. Sie interessieren mittlerweile sogar die Pharmaforschung. Sie sind extrem widerstandsfähig, sie wachsen dort, wo fast nichts anderes wächst. Und trotzdem sind viele Arten bedroht.
Genau in diesem Moment wurde mir bewusst, wie resilient Moose eigentlich sind. Nicht trotz ihrer Kleinheit, sondern gerade wegen ihrer Art, mit Widrigkeiten umzugehen. Und aus diesem Gedanken heraus entstand meine Idee, Moose in meine naturbegleitete Resilienzarbeit zu bringen.
Sechs Säulen, die im Moos sichtbar werden
Wer sich mit Resilienz beschäftigt, kennt Begriffe wie Optimismus, Netzwerkorientierung oder Selbstwirksamkeit oft nur aus Modellen und Schaubildern. Im Wald, direkt am Moospolster, werden sie plötzlich greifbar.
- Optimismus. Moose wachsen dort, wo andere gar nicht erst anfangen. Auf Mauern, auf Dachziegeln, auf nacktem Stein. Sie warten nicht auf perfekte Bedingungen. Sie wachsen, wo sie möchten, und hoffen, dass sie bleiben dürfen, sogar in der Antarktis.
- Netzwerkorientierung. Auf wenigen Quadratzentimetern leben oft mehrere Moosarten Seite an Seite. Keine verdrängt die andere. Sie halten zusammen.
- Lösungsorientierung. Vor rund 450 bis 500 Millionen Jahren gehörten Moose zu den ersten Pflanzen, die aus dem Wasser an Land gingen. Es gab kein Vorbild. Aber sie fanden eine Lösung, die bis heute trägt.
- Selbstwirksamkeit. Moose halten sich mit feinen Fäden fest und nehmen Wasser mit dem ganzen Körper auf. Manche speichern das Dreißigfache ihres eigenen Gewichts. Sie nehmen, was da ist, und machen etwas daraus.
- Akzeptanz. Wenn es lange trocken bleibt, kämpft das Moos nicht. Es geht schlafen, reduziert seinen Stoffwechsel, wartet. Mit dem ersten Regen wird es wieder grün.
- Verantwortung. In jedem Moospolster wohnt ein kleiner Kosmos, darunter ein fast unsterbliches Tier, das Bärtierchen. Moose speichern Wasser und Kohlenstoff, und doch sind viele Arten bedroht, so wie wir Menschen verletzlich sind.
Warum ich Moose mit in die Arbeit mit Menschen nehme
Für mich ist das Moos längst mehr als ein botanisches Detail geworden. Es ist ein Lehrmeister für alle, die nach Resilienz suchen, gerade für Frauen im Wandel, für Teams, für Menschen in Krisen. Wenn wir gemeinsam im Wald stehen und uns zu einem Moospolster hinunterbeugen, verändert sich etwas. Resilienz wird nicht mehr nur erklärt, sie wird sichtbar, fühlbar, riechbar.
Deshalb lade ich dich ein: Beim nächsten Waldspaziergang halte kurz inne. Such dir ein Moos. Berühre es vorsichtig. Und frag dich: Welche seiner Eigenschaften brauche ich gerade in meinem Leben?
Esther Widmann hat es in ihrem NZZ-Artikel, der mich zu diesem Thema geführt hat, so treffend auf den Punkt gebracht:
"Man muss Moos nicht lieben. Man muss es nicht einmal ansehen oder beachten. Man muss es nur lassen. Den Rest macht es dann schon allein."
Dieser Impuls ist Teil meiner naturbegleiteten Resilienzarbeit bei MeTiNa · Mensch · Tier · Natur Wegbegleiterin








